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Internet revolutioniert die Wissenschaft

Experten verorten Änderungen in sämtlichen Teilbereichen

Wien (pte011/27.01.2012/11:30) - Bei einer von Club Research http://www.clubresearch.at veranstalteten Podiumsdiskussion in Wien sprachen gestern, Donnerstag, internationale Experten über den Einfluss neuer Kommunikationstechnologie auf die Wissenschaft. Die Meinungen darüber, wie tiefgreifend die Veränderungen sind, gingen dabei auseinander. Einig waren sich die Diskutanten aber darin, dass der Technologiewandel auch vor der Wissenschaft nicht halt macht.

"Alle Aspekte des Forschungsbetriebes sind betroffen, von der Organisation bis zur Publikation. Die Änderungen sind großteils qualitativer Natur und können sogar die Ergebnisse der Forschung beeinflussen. Durch die neuen Kommunikationskanäle entstehen Fenster im Elfenbeinturm, wo vorher nur Gucklöcher waren", sagt Michael Nentwich vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften http://www.oeaw.ac.at .

Spezielle Netzwerke

Die ersten Änderungen, die das Internet mit sich gebracht hat, sind mittlerweile Teil des wissenschaftlichen Alltags geworden. Die Kommunikation via E-Mail, das Nutzen wissenschaftlicher Datenbanken und Veröffentlichungen auf elektronischem Weg sind heute Standard. Doch auch neuere Entwicklungen wie die sozialen Netzwerke finden zunehmend Verwendung. "Einige spezielle Social-Media-Plattformen für Forscher haben schon mehr als eine Mio. Mitglieder. Das ist für die wissenschaftliche Gemeinde beachtlich", so Nentwich. Über die Netzwerke werden Informationen getauscht und gemeinsame Forschungsprojekte betrieben.

"Viele Forschungsgebiete sind komplett vom weltweiten Zugang zu Informationen aus verschiedenen Laboren abhängig. Die Entwicklung ist unglaublich schnell vorangegangen", sagt Arndt von Haeseler vom Center for Integrative Bioinformatics Vienna http://www.cibiv.at . Einige Disziplinen würde es ohne moderne Informationstechnologie gar nicht geben. "Den Einfluss der Technologie habe ich 20 Jahre lang unterschätzt. Allerdings glaube ich, dass viele Kollegen den Einfluss des Internets heute überschätzen", sagt Christoph Kratky vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF http://www.fwf.ac.at .

Open Access

Einer der am stärksten von den Möglichkeiten des Internets betroffenen Teilbereiche der Wissenschaft ist das Publizieren von Ergebnissen. Das Internet hat das gemeinsame Verfassen von Artikeln - auch über Landesgrenzen hinweg - vereinfacht. Neue Möglichkeit zur Veröffentlichung, Verteilung und Archivierung von Forschungsarbeiten zugrundeliegenden Daten bringen eine verbesserte Nachvollziehbarkeit von Ergebnissen. Eine der größten Umwälzungen betrifft aber das Geschäftsmodell akademischer Verlage, die bisher viel Geld mit wissenschaftlichen Publikationen verdient haben (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20110901011 ).

Durch die Möglichkeit, Ergebnisse online unter Open-Access-Lizenzen für jeden abrufbar zu publizieren, geraten die Verlage zunehmend unter Druck. "Die Unis zahlen Unsummen für Journale. Open-Access-Veröffentlichungen kosten auch Geld, aber das könnte mit einem bis zwei Prozent der Forschungsgelder locker finanziert werden", sagt Klaus-Rainer Brintzinger, Leiter der Bibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München http://www.uni-muenchen.de .

Wieviel eine wissenschaftliche Publikation tatsächlich kostet, ist schwer abzuschätzen, weil die Verlage dieses Geheimnis streng hüten. Für die Finanzierung eines Open-Access-Systems gibt es einige vorstellbare Modelle. Die grundlegende Idee, dass wissenschaftliche Ergebnisse - vor allem bei öffentlicher Förderung - der Allgemeinheit kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20120109025 ), findet zunehmend Anklang in der community. Das Durchsetzen einer flächendeckenden Open-Access Politik hätte jedenfalls weitreichende Konsequenzen für die Verteilung von Wissen in der Gesellschaft.

Quelle: pressetext.redaktion

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